Selbstständig im Handwerk:
die ersten Schritte nach Betriebsgründung

Wir klären, was nach Meisterschule, Behördengängen und Handwerksrolle wichtig ist, um erfolgreich selbstständig im Handwerk zu werden.

19.08.2020
#Betriebsgründung #Meisterbetrieb #Rechnungsprogramm
#Marketing #Selbstständigkeit im Handwerk
9 min
Lukas Bartels

Du hast die Meisterprüfung erfolgreich abgeschlossen, sämtliche Behördengänge hinter dich gebracht und möchtest jetzt endlich durchstarten?


Dann bleibt die Frage: über welche Themen muss ich mir überhaupt Gedanken machen?



Was du dich fragen solltest

Woher kommen die ersten Kunden?


Wie präsentiere ich meinen Handwerksbetrieb nach außen?


Welche Software, bzw. welches Rechnungsprogramm hilft mir möglichst viel Zeit für mein Kerngeschäft zu haben?


Nutze ich die Cloud oder baue eine eigene Infrastruktur auf?



Eine neue Generation im Handwerk

Wie sieht es aus, wenn mein Betrieb weiter wächst?


Will ich ausbilden?


Wann stelle ich du den ersten Mitarbeiter ein?


Und wie finde ich eigentlich Mitarbeiter im Handwerk?


...


Damit dir nicht jetzt schon die Decke auf den Kopf fällt geben wir dir nachfolgend eine grundlegende Struktur und haben Tipps und Tricks für dich zusammengestellt. Sie sollen dir dabei helfen, erfolgreich eine Unternehmensgründung im Handwerk durchzuführen.




So gewinnst du erste Kunden und Aufträge

Frühere Projekte

Die erste Möglichkeit ist, Kunden aus früheren Projekten zu gewinnen. Beispielsweise kennst du vielleicht noch Auftraggeber aus der Lehre oder Arbeit als Geselle/Meister, die besonders von dir persönlich angetan waren.


Waren diese Kunden sehr zufrieden mit der geleisteten Arbeit, sind sie sicherlich erfreut von der Selbstständigkeit zu erfahren. Also zuerst diese Information der Selbstständigkeit via Mail / Anruf verteilen, Kunden kommen dann selbstständig auf dich zu.


Aber aufgepasst: man sollte nicht über die Stränge schlagen und seinem ehemaligen Betrieb versuchen alle Kunden abzugewinnen. Hier solltest du dich auf Einzelfälle beschränken.


Online Plattformen

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit über Internetportale an Aufträge zu gelangen. Bekannte sind hier myhammer.de, fabeus.de oder check24. Wenig Aufwand - viel Wirkung! Handwerker werden immer gesucht.


Netzwerk

Und es gibt ebenfalls die Möglichkeit sich in seinem persönlichen Netzwerk bekannt zu machen und so zum Beispiel über Freunde, Familie und Bekannte an Aufträge zu gelangen. Hier hilft besonders der nächste Tipp: das richtige Marketing!




Marketing - deine Talente richtig präsentieren

Gerade hier schlummert unglaubliches Potential. Denn es gilt: wer sichtbar ist, der kann gefunden werden. Und wer gefunden wird, der bekommt Aufträge. Und wer Aufträge bekommt... ihr wisst wie es weitergeht.


Also, welche Chancen liegen hier "verborgen"?


Deine Webseite

Viele Handwerksbetriebe haben immer noch keine oder eine alte Internetpräsenz. Hier kannst du dich extrem von deiner Konkurrenz abheben! Durch schlichtes, modernes und einfaches Design...

Webseitenoptimierung für Smartphones
Mobile Webseite optimal darstellen, Quelle: Google

... und vor allem optimiert für mobile Ansichten. Das ist heutzutage entscheidend!


Entweder du kennst jemanden, der fit ist im Webdesign oder du legst selber Hand an. Hier gibt es viele Tools, mit denen du in wenigen Minuten einen einfachen und trotzdem professionellen Auftritt erstellen kannst. Website Editoren wie Wix.com, wordpress.com oder jimdo.com helfen dir.


Social Media

Webseitenoptimierung für Smartphones
Authentisches Handwerk auf Instagram, Quelle: @mertl_bedachungen

Als junger Durchstarter kannst du sozialen Medien nutzen um zu punkten, indem du dich einfach präsentierst. Facebook hat hier heutzutage ähnlichen Stellenwert wie Google, sodass Kunden sich über dein Unternehmen, Öffnungszeiten und Kontaktdaten informieren können.


Doch heute kannst dich einfach und authentisch von einer persönlichen Seite zeigen. Teil einfach deinen Tag als Handwerker, zeige Bilder und Videos von fertigen Projekten und werde Teil einer wachsenden Social Media Handwerker Community, z.B den bekannten Social Media Plattformen wie Instagram und Facebook.


Was mittlerweile Tausende Betriebe mit Geschäftsführern über 50 entdeckt haben ist für dich ein wahres Heimspiel. Mehr und mehr Menschen informieren sich mittlerweile über diese Kanäle, also merk dir: wer authentisch ist, der gewinnt!


Dein Logo

Ein Logo ist der einfachste Weg von Kunden und deinem Netzwerk wiedererkannt zu werden. Schließlich sind wir Menschen sehr visuelle Wesen. Hier hast du die Möglichkeit die Werte deiner Firma in Form, Farbe und Schrift einzufangen.


Du brauchst noch ein Logo? Gar kein Problem, auch hier gibt es Hilfe. Du musst dich also nicht mit Buntstiften an den Schreibtisch setzen, um dein Handwerker Logo zu erstellen. Es gibt viele Logo Tools. So hat der Websiten Editor Wix.com auch seinen eigenen Logo Editor. Eine kurze Google Recherche bringt dir hier bereits viele Übersichten zum Thema Logo erstellen.




Software: Zeit und Arbeit sparen

Welche Software du einsetzt entscheidest am Ende du. Da es viele, viele Anbieter gibt, solltest du dir überlegen, welche Ansprüche du hast.


Als junger und moderner Mensch bist du wahrscheinlich Apps und Webseiten gewohnt wie: Netflix, Spotify oder Amazon.


All diese haben eins gemeinsam: sie sind superleicht zu bedienen und bieten eine einmalige und einfache Nutzererfahrung. An nahezu keinem Punkt stellt man sich die Frage, wie das hier eigentlich funktioniert.


Digitale Prozesse sind nichts Neues im Handwerk, weshalb auch dein Betrieb zu Beginn bereits folgende Bereiche schlank und digital umsetzen sollte:


  1. Auftragsbearbeitung (Angebote kalkulieren, Rechnungen/Abschläge schreiben)

  2. Vorbereitung der Buchhaltung

Bei Letzterem hilft dir vor allem dein Steuerberater. Stimme mit ihm einen klaren Prozess ab, wann und vor allem wie ihr Rechnungen (Eingangsrechnungen und Ausgangsrechnungen!) handhaben und buchen wollt.

Tipps für die richtige Software im Handwerk
Eigenschaften moderner Software, (eigene Grafik)

Aus deiner Ausbildung anderen Betrieben oder der Meisterschule kennst du bestimmt schon Handwerkersoftware Lösungen mit denen du die Auftragsbearbeitung handhaben kannst. Leider sehen die oft aus , wie aus dem letzten Jahrtausend (sind sie teilweise auch). Auch hier kannst du dich von deinen Wettbewerbern abheben und ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung werden.


Wichtig ist es, frühzeitig eine Lösung zu nutzen, die dir dabei hilft konforme Dokumente zu erstellen, Versionen zu verwalten oder Datensicherungen zu erstellen. Wir empfehlen dir hier nicht mit Word/Excel oder ebenfalls für Handwerker ungeeigneten Lösungen wie “fastbill” oder “online-rechnunge.de” zu arbeiten, denn Gefahrenpotentiale sind da!


Hier bist du oftmals nicht GOBD konform, es fehlen relevante Schnittstellen und bei komplexeren Aufträgen musst du unnötig viel Zeit investieren. Wenn dein Betrieb wächst, kann ein späterer Softwarewechsel viel Arbeiten bedeuten. Entscheide dich also am besten schon zu Beginn für eine Lösung, die zunächst schlank und leicht zu bedienen ist, aber mit dir gemeinsamen wachsen kann: sie sollte mit mehreren Nutzern, vom Home Office oder der Baustelle aus bedienbar sein.


(Teste gerne unsere App zur Auftragsbearbeitung oder buche dir eine Demo bei uns - wir schauen dann, wie wir für dich eine optimale Lösung bereitstellen können).




Volle Kraft voraus: wie du den Wachstum meisterst?

Der bestmögliche Fall tritt ein: dein Auftragsbuch platzt.


Was passiert also, wenn du vor lauter Aufträgen kein Land mehr siehst?


Dann hast du die Chance deinen Betrieb wachsen zu lassen und solltest Mitarbeiter einstellen. Nun kannst du Führung übernehmen, eine echte Inspiration sein, Wissen weitergeben und dein Unternehmen selber gestalten. Aber wo findest du die richtigen Mitarbeiter?


Arbeiten, wo es Spaß macht

Hier hilft dir deine neu aufgebaute Präsenz. Du gewinnst Mitarbeiter auch am besten, wenn du deinen spannenden Arbeitsalltag oder eine ehrliche, angenehme Arbeitsatmosphäre online zeigen kannst. Klar, Werbeanzeigen helfen, aber du würdest doch auch lieber in einem Betrieb arbeiten, der ehrlich, authentisch und nach einer guten Mischung aus Spaß und Erfolg aussieht?!


Alte Kollegen

Warum nicht frühere Kollegen fragen, ob sie mit dir arbeiten wollen? Ihr habt bereits gemeinsame Arbeitserfahrung, kennt euch und du kannst auf die Bedürfnisse besser eingehen. Glückliche Mitarbeiter sind die produktivsten! Also einfach mal in deinem Netzwerk schauen ob jemand dabei ist der was für dein Unternehmen wäre.


Nachwuchs

Ausbilden? Klar, du musst erstmal Zeit investieren, der Azubi richtig eigenständig mitarbeiten kann. Aber hier hast du die Chance, einen zukünftigen Mitarbeiter so auszubilden, dass er sich optimal in deinen Betrieb einfügt und ordentlichen Mehrwert bietet. Es ist ein großes Privileg auszubilden, nutze es!


Online

Außerdem kannst du auch proaktiv übers Internet und Jobbörsen nach passenden Kandidaten suchen. Du wirst erstaunt sein, wie viele potentielle Mitarbeiter doch online zu finden sind. Und das beste? Jemand der über diese Wege Jobs sucht ist affin für digitale Tools. Das heißt du bekommst Mitarbeiter, mit denen du auch in Zukunft neue Arbeitsweisen erproben und einführen kannst. Stell dir dein Wunschteam zusammen!




Fassen wir zusammen!

Du siehst also, die ersten Schritte in deine Selbständigkeit sind absolut kein Hexenwerk. Gerade in den Bereichen Marketing und der Einsatz von Software und neuen Technologien liegen dir als junger Unternehmer viel näher, als alteingesessenen Betrieben und verschaffen dir einen enormen Vorteil.


Du hast also die Chance diese tolle Branche umzukrempeln und ihr einen neuen Anstrich zu verpassen - das gilt nicht nur für die Maler unter euch!




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