So gelingt die Betriebsübernahme:
Top Tipps aus der Praxis

Wie Malermeister Alexander Woldt die Betriebsübernahme angeht und was du aus seinen Praxiserfahrungen für dich mitnehmen kannst.

14.09.2020
#Betriebsübernahme #Malermeister #Betriebsübernehmer #Betriebsnachfolge
6 min
Lukas Bartels

Die Chance der Betriebsübernahme

Zurzeit müssen rund 22% der Handwerksbetriebe aufgrund fehlender Nachfolge schließen. (1)


Und die Tendenz ist steigend. Dabei wünschen sich die meisten Chefs eine Betriebsübernahme aus der eigenen Familie.


Gerade das Handwerk hat den Ruf, die Digitalisierung verschlafen zu haben. Umso mehr ist das Handwerk genau die Chance für junge Unternehmer den oftmals seit Generationen geführten Handwerksbetrieben frischen Wind zu verleihen und ihren Stempel bei der Betriebsübernahme aufzudrücken.


Die Frage ist:

Wie genau kann so eine erfolgreiche Übernahme aussehen?


Wie gelingt dir der Einstieg in Papas, Mamas, deinen Ausbildungs- oder Meisterbetrieb - bzw. was kann man Lernen für den Einstieg von Sohn, Tochter, Neffe oder nicht-familiären Nachfolgern? Und natürlich: warum kann es sich für dich lohnen die Nachfolge anzutreten?


Im Internet liest man viel Allgemeines und Rechtliches rund um das Thema. Aber das hat uns aber bei Weitem nicht gereicht.


Wir wollten wissen wie es in der Praxis aussieht.


Warum entschließt sich ein junger Meister dazu einen Betrieb zu übernehmen?

Was sind die Motive, Anreize und welche Tipps und Ratschläge gibt es für alle, die über eine Betriebsübernahme nachdenken.


Um dem Thema mal richtig auf den Zahn zu fühlen, haben wir uns aufgemacht, mit einem echten Betriebsübernehmer zu sprechen - und so für euch Antworten, Ratschläge und Tipps zu finden.

Alexander Woldt, Junior Chef im Malerbetrieb Woldt
Alexander Woldt, Junior Chef im Malerbetrieb Woldt

Das ist Alexander Woldt. Alexander ist ein junger Meister, der in Hamburg seinen Meister erfolgreich abgeschlossen hat und nun mit in das Geschäft seines Vaters einsteigt. Sein Ziel ist die erfolgreiche Betriebsübernahme. Der Malerbetrieb Willy Rix ist mit seinen 30 Mitarbeitern einer der größeren Handwerksbetriebe aus dem Raum Neumünster und absolut etabliert.




Die Betriebsübernahme - so kann es klappen

Wir haben Alex als jungen, motivierten Unternehmer erlebt. Jemand, der Bock hat seinen Betrieb zu prägen und in die Zukunft zu steuern. Dabei ist er offen und bereit, viel und vor allem Neues dazuzulernen.

Alexander im Interview mit Lukas von Plancraft
Alexander im Interview mit Lukas von Plancraft

Wir haben Alex zu Beginn gefragt, warum er überhaupt den Betrieb seines Vaters übernehmen möchte. Zu seinen Hauptmotivation gehören das selbständige und selbstkritische Arbeiten. Aber auch seine Kunden zufrieden zu sehen, sei ein ganz persönlicher Treiber für ihn.


Auch die Mitarbeiter in seinem Betrieb schätzen die Chance mit einer jüngeren Person zusammenzuarbeiten sehr. Sie merken, dass neue Herangehensweisen in den Arbeitsalltag aufgenommen werden. Viele dieser neuen Techniken machen den Arbeitsalltag für die Mitarbeiter wesentlich einfacher.


Allerdings rät Alex auch, nicht Alles umzukrempeln. Manchmal sei das Bewährte auch besser. Bezogen auf technisches Equipment sei auch nicht immer eine Neuanschaffung sofort notwendig. "Grundlegend sollte man nur nicht nicht alles hinnehmen", sondern vernünftig über alles schauen und gegebenenfalls zum Optimalen hin verändern - so der Malermeister.


Denn Alex selbst verlässt sich nicht darauf, dass immer alles so bleibt, wie es ist. Man sollte als selbständiger Unternehmer immer einen kritischen Blick auf den Status Quo haben und ein offenes Ohr - vor allem für Mitarbeiter.




Das rät Alex allen Betriebsübernehmern:


Ein Trainee Jahr

Für Alex ist ein Trainee Jahrs gold richtig. In diesem Jahr hat man die Möglichkeit sich Grundlegendes anzueignen und die Kommunikation im Betrieb und zum Kunden zu verstehen.


Die ersten Baustellen werden begleitet und man hat die Möglichkeit, ein Feedback von den Betriebsältesten oder gar Vater / Mutter zu bekommen.


Auch werden die richtige Kalkulationen mit aktuellen Marktpreise und betriebsinternen Margen gemeinsam besprochen, was enorm viel wert ist und hilft. Anschließend geht man dann seinen eigenen Weg.


Netzwerken und Austausch

Für Alex ist der Austausch mit Anderen sehr wichtig - auch, um frischen Wind ins Unternehmen zu bringe. Denn laut Alex lernt man gerade auf Weiterbildungen andere Arbeiten, Firmen und Personen kennen, die das gleiche Handwerk alle ein wenig anders ausüben, am Ende aber das gleiche Ergebnis erzielen. "Da nimmt man das ein oder andere mit und bringt es in der Firma mit ein", so Alex.


Kooperativ statt Autoritär

Ein kooperativer Führungsstil ist Alex Meinung nach ein Schlüssel zum Erfolg. Dieser sorgt für einen besseren und ruhigeren Arbeitsablauf. Gerade bei den älteren Gesellen ist ein autoritärer Führungsstil nicht gerne gesehen.


Mit der Digitalisierung auseinandersetzen.

Auch mit dem Thema Digitalisierung setzt er sich auseinander, so sind bei ihm im Betrieb die Vorrichtungen für eine Umstellung schon getroffen und werden dann von Zeit zu Zeit aktualisiert, auch wenn es nicht immer leicht ist einen Kompromiss zwischen Jung und Alt zu finden. Für Alex bringt die Cloud zum Beispiel den Vorteil, dass er Angebote und Aufmaße immer beim Kunden dabei hat.

Alexanders Einstellung zum digitalen Wandel
Alexander Woldt


Fazit - die Tipps vom Malermeister

Ein Handwerksbetrieb zu übernehmen bedeutet viel, viel mehr, als sich die Hände schmutzig zu machen.


  • Ein Trainee Jahr als Führungskraft - Kommunikation mit Mitarbeitern, Kunden und die passenden Preise für Leistungen verinnerlichen

  • Stetiger Austausch mit anderen Gewerken, Partnerbetrieben und Vordenker der Branche - mindestens genauso wichtig, wie das eigene Handwerk zu beherrschen.

  • Zwischenmenschliches beherrschen: gerade, wenn man im gleichen Betrieb gelernt hat, ist der Weg vom Mitarbeiter zum Vorgesetzten knifflig. Sei clever, ehrlich, menschlich und selbstbewusst!

  • Ein kooperativer und nicht allzu autoritärer Führungsstil hilft, mit Mitarbeitern gut klarzukommen.

  • Es macht Sinn, sich mit neuen Technologien auseinander zu setzen, da diese den Arbeitsalltag signifikant erleichtern können.

  • Auch ein frischer Blick auf die digitale Infrastruktur des Betriebes ist ebenfalls sinnvoll - so ermöglicht die Cloud seine Unterlagen immer mit dabei zu haben.

Am Ende wird es einem Handwerksbetrieb gut tun, wenn motivierte, junge Meister den Schritt wagen, in den Betrieb einzusteigen.




Quellenangaben

(1) Claudia Schimkowski, im Beitrag der ReklAr GmbH (Aufgerufen am 14.09.2020)


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